Wikinger auf Beutezug im Kolleg?

Nicht zu Unrecht hätten sich am Faschingsmontag Fremde, die an diesem Tag das Kolleg besuchten, diese Frage stellen müssen, rannten doch überall im Haus Personen in Wikingerbekleidung herum.
Des Rätsels Lösung: Heuer war das Faschingsmotto: "Die Wikinger". Schon mehrere Wochen zuvor hatten Präfektinnen und Präfekten mit den Vorbereitungen begonnen. Auch die angehenden Wikinger konnten an der Herstellung ihrer eigenen Ausrüstung (Helmebasteln) mitwirken. Zusätzlich wurde an der Dekoration für den Thingsaal (= im Kollegsdeutsch Festsaal) intensiv gearbeitet.
Ende Jänner besuchten an die achtzig Schülerinnen und Schüler eine Sondervorstellung von Bully Herbigs "Wickie und die starken Männer" im UCI Vösendorf, quasi als Vorbereitung.
Einige Tage vor Beginn des Wikingerfestes wurden alle TeilnehmerInnen in 12 altersinhomogene Mannschaften gelost, die als Sippenälteste SchülerInnen der Oberstufe zur Seite hatten.
In einem 12 Stationen umfassenden Parcour, der alle erdenklichen Wikinger - Qualitäten überprüfen sollte, wurde dank zu verdienender (Schokolade-) Münzen eine siegreiche Sippe ermittelt, die dann den König und dessen Ratgeber stellen durften. Außerdem bekamen sie noch jede Menge Klunker aus den letzten Beutezügen. Natürlich wurden auch die besten Kostüme prämiiert.
An Prüfungen hatten unsere wackeren WikingerInnen zu bestehen: Sie mussten ihre Kombinationsgabe beim Wikingerschach unter Beweis stellen. Beim Tauziehen wurden ihre Kräfte auf die Probe gestellt. Zielsicherheit benötigten sie beim Kegeln. Schließlich mussten sie wagemutig Vogeleier aus den Nestern stehlen, sonst gabs zu Hause keine Eierspeise! Mangelnde Kenntnisse bei den Seemannsknoten hätten unzweifelhaft zum Verlust von Schiffen geführt - aber auch hier waren die Damen und Herren Wikinger sehr gelehrig. Heftiger wurde es beim Schwertstechen - keine Angst, das Ziel bildeten schwebende Luftballons! Was nützt der stärkste Wikinger, wenn er sich nicht selbst ernähren kann - also auf zum fröhlichen Fischen - das Meer simulierten wir in einem riesigen Kochtopf, die Fische waren aus Styropor. Zwar waren Lesen und Schreiben nicht unbedingt Hauptfächer in der Wikingerausbildung - wir wollten allgemein gebildete Recken und "Reckinnen" - so mussten sie sich mit Runen auskennen und über ihre Stammesgeschichte Bescheid wissen. Nach soviel Hirnakrobatik gings wieder um den Körper - durch den Ausdauerparcour und in die Wikingerschlacht. Wer das alles überstanden hatte, durfte noch ein Spiel, das uns die Wikingerahnen überlieferten, spielen: Hnefatafl - übrigens ziemlich interessant (wers nachspielen will, findet die Details im Internet!)
Man braucht nicht allzu viel Vorstellungskraft, um zu erahnen, dass es den Kindern Spaß machte. Spätestens als sie durch Putenspieße, Gebäck und Wikingerpunsch gestärkt zum Thing gingen, wo die Sippe ... bestehend aus ... gewann und im Wikingerschiff eine Ehrenrunde drehte, waren alle zufrieden!
Mag. Michael Strobl